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26/03/2020

Corona-Krise: Finanzielle Hilfen für Weinhändler

Viele Weinhändler leiden schon jetzt stark unter der Corona-Krise und benötigen finanzielle Unterstützung, um diese zu überstehen. Das Geschäft mit der Gastronomie ist komplett eingebrochen. Und auch wenn die meisten Weinhandlungen noch geöffnet sind: Sie müssen dafür sorgen, dass alle Kunden ausreichend Abstand zueinander halten können. Für kleine Weinhandlungen bedeutet das mitunter, dass nur wenige Personen das Geschäft gleichzeitig betreten dürfen. Liefern und versenden ist eine gute Alternative – wenn die dafür benötigten Mitarbeiter, Strukturen und Hilfsmittel (Lieferfahrzeug, Webshop, Online-Bestellformular, etc.) vorhanden sind. Dennoch werden auch Weinhändler, die ihren Betrieb innerhalb kürzester Zeit „Corona-konform“ aufgestellt haben, unter den Auswirkungen leiden: Sie benötigen mehr Mitarbeiter, um die Situation vor und im Ladengeschäft zu managen und ihre Kunden zu beliefern. Darüber hinaus müssen sie ihre Geschäftsräume möglichst „Pandemie-tauglich“ einrichten. Und last but not least weiß niemand, was in den nächsten Tagen passieren wird. Die gute Nachricht: Der Staat hat zahlreiche finanzielle Hilfen für Weinhändler vorgesehen. Wie und wo Sie finanzielle Unterstützung beantragen können, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Entschädigungen für Einbußen durch die Corona-Krise

Wenn die Mitarbeiter in Quarantäne geschickt werden, muss man ihr Gehalt weiterzahlen. Man kann sich das Geld allerdings von der zuständigen Behörde zurückholen, indem man eine Entschädigung nach Paragraf 56 des Infektionsschutzgesetzes beantragt. Gleiches gilt, wenn man als Selbstständiger direkt von Quarantänemaßnahmen betroffen ist und nicht arbeiten kann – hier kann man sich den Verdienstausfall ausgleichen lassen. Die Anträge sollten möglichst schnell gestellt werden, damit auch die Entschädigung zeitnahe ausgezahlt wird. Maximal hat man dafür drei Monate Zeit, sonst gelten die Ansprüche als verwirkt. Welche Behörde zuständig ist, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. In Hessen beispielsweise sind es die Gesundheitsämter, in Bayern die Bezirksregierungen und in Nordrhein-Westfalen die Landschaftsverbände. Wer nicht sicher weiß, welche Stelle für die Entschädigungsleistung zuständig ist, sollte sich telefonisch beim örtlichen Bürgeramt oder beim Gesundheitsamt erkundigen.

Finanzielle Hilfen durch Steuererleichterungen

Das Bundesfinanzministerium ermöglicht umfassende Steuererleichterungen für Unternehmen, die unter der Corona-Krise leiden. Ansprechpartner für Weinhändler sind die Finanzbehörden der Bundesländer, die unbürokratische Lösungswege anbieten sollen, damit Sie so schnell wie möglich finanzielle Unterstützung erhalten. Sie müssen der Behörde darlegen, dass Sie „unmittelbar und nicht unerheblich vom Corona-Virus betroffen“ sind. Eine genaue Vorgehensweise ist dabei nicht definiert. In der Praxis bedeutet das, dass Sie dem Finanzamt gegenüber möglichst ausführlich schildern sollten, welche Auswirkungen sich für Sie und Ihr Unternehmen ergeben: Das können beispielsweise Umsatzeinbußen durch Schließung von Gastronomiebetrieben, Krankheit / Quarantäne, Zahlungsausfälle, ausbleibende Kundenaufträge oder die (temporäre) Schließung Ihres Geschäfts sein. Um Ihre Ausführungen mit Zahlen zu untermauern, können Sie Umsatzstatistiken aus Ihrem Warenwirtschaftssystem beilegen.  

Wenn Sie dem Finanzamt plausibel darlegen können, dass Sie von der Corona-Krise erheblich betroffen sind, können Sie einen Antrag auf zinslose Steuerstundung stellen. Dann zieht das Finanzamt fällige Steuerzahlungen frühestens zum 1. Januar 2021 ein und verzichtet auf Zinsen oder Säumniszuschläge.

Die Maßnahmen gab das Bundesfinanzministerium in seinem Schreiben vom 19.3.2020 bekannt.

Finanzielle Unterstützung durch Kurzarbeitergeld

Die Bundesregierung hat die Regelungen für Kurzarbeitergeld bereits unmittelbar zu Beginn der Pandemie verbessert: Sie können Kurzarbeit anmelden, wenn Sie für mind. 10 % Ihrer Mitarbeiter keine Beschäftigung anbieten können. Die Sozialversicherungsbeiträge für Sie als Arbeitgeber übernimmt die Bundesagentur für Arbeit. Ihre Mitarbeiter erhalten vom Staat 60 % Ihres Nettolohns, Eltern bekommen 67 %. Ihre Mitarbeiter sind während der Kurzarbeit komplett freigestellt. Zeitnahe sollen Regelungen folgen, um Betroffenen einen Nebenverdienst zu ermöglichen, ohne die finanzielle Unterstützung durch das Kurzarbeitergeld zu mindern.

Die Maßnahmen treten rückwirkend zum 1. März in Kraft, viele Unternehmen haben sie direkt in Anspruch genommen. Sie können das Kurzarbeitergeld bei der örtlichen Arbeitsagentur beantragen. Ob Kurzarbeitergeld gewährt wird, entscheidet die Bundesagentur für Arbeit.

Kurzarbeit: Informationen für Unternehmer
Kurzarbeit: Informationen für Ihre Mitarbeiter

Finanzielle Unterstützung durch Kredite

Wenn Sie Ihre Liquidität durch einen Zuschuss an Fremdkapital erhöhen möchten, können Sie bei Ihrer Hausbank oder Sparkasse Kredite mit attraktiven Konditionen beantragen, um nötige Investitionen zu tätigen und Betriebsmittel beschaffen zu können. Zu diesem Zweck hat die Regierung mit der KfW-Bank das KfW-Sonderprogramm 2020 überarbeitet. Umfassende Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Webseite der KfW.

Zuschüsse für Kleinunternehmen

Weinhändler, die in Ihrem Unternehmen maximal 10 Personen beschäftigen, können beim Bund finanzielle Hilfe in Form von Zuschüssen beantragen:

Kleinstunternehmen (1 – 5 Beschäftigte) erhalten einmalig 9.000 Euro, um die nächsten 3 Monate zu überbrücken. Weinhändler mit 5 – 10 Beschäftigten sollen 15.000 Euro erhalten.

Damit Sie finanzielle Unterstützung in Form dieser Zuschüsse beantragen können, müssen Sie darlegen, dass der wirtschaftliche Schaden nach dem 11.03.2020 entstanden ist und Ihr Unternehmen zuvor noch nicht unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelitten hat.

Für die Abwicklung und Antragsstellung sind die Länder und Kommunen verantwortlich. Leider ist aus diesem Grund die Auszahlung der Beträge weder einfach noch einheitlich geregelt: Der Bund hat die Maßnahme beschlossen, ihm fehlt jedoch eine zentrale Stelle, die die unbürokratische Abwicklung vornehmen könnte. Die Behörden der Länder haben keinerlei Erfahrungen mit entsprechenden Maßnahmen und müssen zunächst einmal Strukturen schaffen, um finanzielle Hilfen auszahlen zu können.

Finanzielle Unterstützung auf Länderebene

Viele Bundesländer haben zusätzlich eigene Hilfspakete für Kleinunternehmen ins Leben gerufen. Einige Beispiele:

Weinhändler aus Bayern können bei der jeweiligen Landesregierung ,analog zum o. g. Zuschussprogramm, direkt beim Freistaat ihren Zuschuss beantragen. Ferner unterstützt Bayern auch Unternehmen mit 11 – 250 Beschäftigten; diese erhalten bis zu 30.000 EUR. Anträge können Sie bis zum 31. Oktober stellen. Das Formular für den Antrag auf Corona-Soforthilfe für Bayern ist bereits online; einen guten Überblick über alle Maßnahmen in Bayern bietet folgende Pressemitteilung.

Auch Baden-Württemberg bietet Zuschüsse für „größere Kleinunternehmen“ an. Wer bis zu 50 Mitarbeiter beschäftigt, kann ebenfalls am Hilfsprogramm teilnehmen. Die Handwerkskammern übernehmen die Abwicklung. Eine Übersicht über alle Förderprogramme und Soforthilfen des Landes finden Sie hier.

Berlin plant, Überbrückungskredite von bis zu 100.000.000 Euro über die IBB (Investitionsbank Berlin) bereitzustellen. Informationen erhalten Sie über eine Hotline (030 / 2125-4747) der IBB, per Mail und online unter https://www.ibb.de/de/wirtschaftsfoerderung/themen/coronahilfe/corona-liquiditaets-engpaesse.html. Ihren Antrag können Sie ab dem 27. März 2020 stellen.  

Weiterführende Links: Finanzielle Hilfen anderer Bundesländer

Bitte beachten Sie, dass die Soforthilfeprogramme der Länder teilweise erst in den kommenden Tagen zur Verfügung stehen werden.

Brandenburg
https://mwae.brandenburg.de/
https://www.ilb.de/

Bremen
BAB-Hotline: 0421/9600 – 333 / task-force@bab-bremen.de
www.bab-bremen.de

Hamburg
www.ifbhh.de

Hessen
www.hessen.de

Mecklenburg-Vorpommern
www.regierung-mv.de
www.gsa-schwerin.de

Niedersachsen
www.mw.niedersachsen.de

Nordrhein-Westfalen
www.wirtschaft.nrw/coronavirus-informationen-ansprechpartner
wirtschaft.nrw/corona

Rheinland-Pfalz
mwvlw.rlp.de/de/themen/corona/
isb.rlp.de/home.html

Saarland
www.corona.wirtschaft.saarland.de
www.sikb.de

Sachsen
www.coronavirus.sachsen.de
www.sab.sachsen.de

Sachsen-Anhalt
mw.sachsen-anhalt.de/media/coronavirus/wirtschaft
stk.sachsen-anhalt.de/service/corona-virus/

Schleswig-Holstein
www.schleswig-holstein.de

Thüringen
aufbaubank.de
aufbaubank.de/417,8723/Download/Soforthilfe-Corona-2020-Antrag.pdf

Finanzielle Hilfe von Kunden

Weinhändler, die Veranstaltungen wegen der Corona-Krise absagen müssen, erstatten Ihren Kunden in vielen Fällen die Teilnahmegebühr. Damit halten Sie Kundenbeziehungen stabil und bieten einen tollen Service – im schlimmsten Fall vermindern sie so aber ihre Liquidität. Eine gute Alternative für beide Seiten: Bieten Sie Ihren Kunden doch an, den Betrag in Form eines Gutscheins zu erstatten oder „in Wein auszuzahlen“.

Last but not least profitieren viele Weinhändler davon, zu prüfen, ob offene Forderungen gegen Kunden bestehen. Wenn Sie Ihren Kunden Ihre aktuelle Situation nahelegen, bedarf es oft nur einer kurzen Erinnerung, um den Zahlungseingang zu beschleunigen.

Bildquelle: © Bartolomiej Pietrzyk | 123RF.com

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