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05/08/2020

MwSt-Senkung: Folgen vom 1. Juli

Die MwSt-Senkung in Deutschland am 1. Juli hatte zahlreiche Folgen. Vor allem für Unternehmer. Gehört auch das versprochene Wachstum der Wirtschaft im Inland dazu? Ziel der kurzfristig beschlossenen Steuersenkung durch die deutsche Bundesregierung war es jedenfalls. Was in der Praxis in den letzten Wochen wirklich passiert ist, haben wir für Sie recherchiert. Welche Konsequenzen hatte die Änderung der Steuersätze für Weinhändler im Juli? Hat sich das Einkaufsverhalten von Verbrauchern im Allgemeinen und Weinkonsumenten im Speziellen mit der Steuersenkung verändert? Und was kommt bis zum Jahreswechsel auf die Branche zu?

Der Plan unserer Regierung für den 1. Juli 2020: Mehrwertsteuer runter – alles wird billiger. Bürgerinnen und Bürger haben zwar nicht mehr Geld in der Tasche, bekommen aber mehr dafür, solange sie im Inland einkaufen. Ein Wettbewerbsvorteil also für Firmen mit Sitz in Deutschland, weil ihre Preise bei gleichbleibender Marge sinken. Dazu müssen die Firmen einfach nur die Mehrwertsteuer-Senkung an ihre Kunden weitergeben. Wer durch die Corona-Pandemie über ein geringeres Einkommen verfügt, kann sich so den gewohnten Lebensstandard weiterhin leisten. Alle anderen kaufen mehr für ihr Geld. So die Theorie…

Folgen der MwSt-Änderung auf Preise im Handel

Grundsätzlich lag es im Ermessen der Händler, ob sie die Mehrwertsteuersenkung an ihre Kunden weitergeben und in welchem Maß. Das gilt sowohl online, als auch im stationären Handel. Die Strategien sind unterschiedlich:

In vielen Webshops haben sich die Preise gar nicht verändert. Die Untersuchung des Preisvergleichs-Portals günstiger.de ergab, dass 53 % der untersuchten Preise zum 1.7. gleich geblieben oder sogar gestiegen sind. Im Vergleich zum Vorjahr gab es im Juli 2020 in Summe sogar geringere Preissenkungen. Im stationären Handel geben die meisten Unternehmer die Steuersenkung an ihre Kunden weiter. Vor allem in Form von Rabatten, die an der Kasse abgezogen werden.

Auswirkungen der Steuersenkung auf Konsumenten & das Einkaufsverhalten

Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Senkung der MwSt das Konsumverhalten wenig beeinflusst: Einer von 10 kauft seit dem 1. Juli mehr Lebensmittel und Elektronikartikel ein. Das sind immerhin rund 10 %; andere Produktkategorien verzeichnen Wachstumszahlen im einstelligen Prozentbereich. Bei Elektronik, Mode und Möbeln gibt es nur einen minimalen Anstieg. Obwohl die Ersparnis für den Einzelnen in diesen Produktkategorien im Vergleich zum Lebensmittel-Einkauf eher groß anmuten mag. Fakt ist, dass in den genannten Branchen ganzjährig hohe Rabatte zu finden sind. Im Vergleich zu den üblichen 10, 20 oder gar 30-%-igen Nachlässen wirkt die Ersparnis als Folge der Steuersenkung fast schon lächerlich.

Im Lebensmittel-Einzelhandel begann der Preiskampf teilweise schon vor dem 1. Juli. Vor allem Discounter gewährten den „Mehrwertsteuer-Rabatt“ schon vor der Steuersenkung. Mehr gekauft wurde deshalb eher nicht.

Die Marktforscher der GfK geben an, dass viele Verbraucher größere Anschaffungen vorziehen wollen, weil eine lohnenswerte Ersparnis zu holen ist. Die betreffenden Investitionen fallen jedoch nur früher, nicht wegen der Mehrwertsteuersenkung an. In vielen Branchen ist deshalb vor allem eine Verschiebung der Umsätze zu erwarten. Hohes Auftrags-Aufkommen bis Ende des Jahres, Flaute Anfang 2021. Wer bis Ende 2020 nicht liefern kann, darf den niedrigeren Steuersatz nicht mehr berechnen. Denn entscheidend ist das Liefer- bzw. Leistungsdatum.

Folgen der MwSt-Senkung für Unternehmer

Vielleicht hat bei der Planung des Gesetztes zur Steueränderung einfach niemand an die Konsequenzen für Unternehmer gedacht. Oder den Verantwortlichen war einfach nicht bewusst, dass Händler, Handwerker und alle anderen Unternehmen, die von der Steuersenkung betroffen sind, mehr tun müssen als einfach nur einen anderen Prozentwert auf Rechnungen und Kassenbons auszuweisen. Und, dass für Unternehmer als Folge der Steueränderung vor allem Kosten entstehen. Die wiederum bei gleichbleibenden Nettopreisen nur durch erhebliche Absatzsteigerung kompensiert werden können.

Für viele Betriebe ist das aber kaum machbar. Wer ohnehin voll ausgelastet ist, müsste neue Mitarbeiter anstellen, die Geschäfts- bzw. Produktionsfläche vergrößern oder neue Standorte, Kanäle oder Zielgruppen erschließen. Erschwerend kommt hinzu, dass Unternehmer die Auflagen im Rahmen des Infektionsschutzes erfüllen müssen. Diese machen es schwer, die Kundenfrequenz im stationären Handel zu erhöhen. Erweiterte Öffnungszeiten können Abhilfe verschaffen, sind oft aber ohne Erweiterung des Teams nicht umsetzbar. Und mit mehr Mitarbeitern nicht mehr wirtschaftlich.

Deshalb ist es für einige Weinhändler sinnvoller, das Liefer- und Versandgeschäft auszubauen. Der Onlinehandel ist stärker denn je. Wer jetzt in den Auf- und Ausbau neuer Absatzkanäle investiert, geht gestärkt ins Weihnachtsgeschäft. Dennoch zögern viele Unternehmer, vor dem Jahreswechsel zu handeln. Denn die Folgen der Steuersenkung lasten ihre Ressourcen voll aus. Nicht nur jetzt, sondern auch zum Jahreswechsel, wenn die Steuersätze wieder steigen. Bei der Wahl von neuen Tools und Systemen sollte deshalb ein reibungsloser Betrieb während und nach dem Jahreswechsel sichergestellt sein, wenn die Steuer wieder steigt.

Konsequenzen der Umsatzsteuer-Minderung im operativen Geschäft

„Rabatt wird an der Kasse abgezogen“ – im Einzelhandel heuer wohl der Satz des Jahres. In den meisten Unternehmen, die die Mehrwertsteuer-Senkung an ihre Kunden weitergeben, gibt es einen Rabatt. Und damit jetzt und am 1. Januar nicht für alle Artikel neue Preisschilder gedruckt werden müssen, wird der eben an der Kasse abgezogen. Macht psychologisch auch mehr her, denn schließlich rundet man im Kopf doch ohnehin auf – ob nun 7,90 oder 7,70 EUR auf dem Preisschild steht…

Neben der Änderung der Preise auf den Schildern am Regal spielt es natürlich auch eine große Rolle, wie die Waren an der Kasse berechnet werden: Sind die Preise im Kassensystem hinterlegt? Welcher Wert bleibt beim Wechsel der Mehrwertsteuer erhalten – brutto oder netto?

Unangenehm wird es dann, wenn Preise in mehreren Systemen, die nicht vernetzt sind, geführt werden. Vor allem dann, wenn die Berechnungsgrundlage für den Endpreis nicht einheitlich anhand von Netto- oder Bruttowerten erfolgt.

Gutscheine

Auch Gutscheine können zum Problem werden, wenn die Mehrwertsteuer bereits beim Verkauf des Gutscheins anfällt und bei der Einlösung verrechnet wird. Können und müssen die Mitarbeiter bei der Gutschein-Einlösung an der Kasse erkennen, mit welchem Steuersatz der Gutschein verkauft wurde? Werden jetzt Gutscheine mit 16 % MwSt verkauft – und wie werden die dann nach dem Jahreswechsel, wenn auf Wein wieder 19 % Steuer anfällt, verrechnet?

Jahresendgeschäft

Blicken wir in die Zukunft, zum Jahresende und darüber hinaus: Im Dezember geht es im Weinfachhandel richtig zur Sache. Zwischen Weihnachten und Silvester wird es ein wenig ruhiger, im Januar liegen Kundenfrequenz und Umsatz ohnehin deutlich unter dem Jahresmittel. Die „drohende“ Steuererhöhung zum 1. Januar könnte den Januar noch ruhiger machen. Der Dezember könnte stärker werden denn je – schnelle Prozesse an der Kasse sind also Trumpf.

Stolpersteine in der FiBu

Beginnt Ihr Geschäftsjahr am 1. 1. oder 1.7.? In diesem Jahr haben Sie dann auf jeden Fall Grund zur Freude. Weinhändler, die während des Zeitraums der Steuersenkung ihren Jahresabschluss machen müssen, sind immerhin bereits auf den nächsten vorbereitet…

Für alle Unternehmen gilt gleichermaßen, dass Gutschriften und Rechnungskorrekturen, aber auch Warenrücknahmen an der Kasse zumindest im Juli, August sowie im kommenden Januar Fallstricke beinhalten. Der Steuersatz für die Korrektur muss dem der Rechnung entsprechen. Auch Ausgangsrechnungen bieten Gefahrenpotential: Maßgeblich für die Rechnung ist der Steuersatz, der zum Zeitpunkt der Lieferung bzw. Leistungserbringung gilt. Wenn dies nicht automatisiert über Ihr Warenwirtschaftssystem sichergestellt ist, können leicht Fehler entstehen. Kundenwünsche zu diesem Thema stehen auf einem ganz anderen Blatt.

Blick in die Praxis

Unternehmer in Deutschland leiden eher unter den Folgen der Steuersenkung. Aber: mehr oder weniger. Dabei spielt nicht nur die Unternehmensgröße eine Rolle. Selbstverständlich haben „die Großen“ entscheidende Vorteile. Der entscheidende Faktor ist aber die Anpassungsfähigkeit. In diesem Fall vor allem die Ihrer Tools und Systeme – also Kasse, Warenwirtschaftssystem, Buchhaltungsprogramm, Webshop, etc. – sowie deren Vernetzungsgrad und Zusammenspiel.

Folgen der MwSt-Senkung in der Weinhandlung Südlage

Die Weinhandlung Südlage konzentriert sich vor allem auf Endverbraucher und besitzt neben 3 Filialen auch einen Webshop. Die Preisschilder in den Ladengeschäften können über die Kassen gedruckt werden. Alle 3 Filialen setzen dasselbe Modell ein, die Kassen sind aber nicht vernetzt. Rechnungen schreibt der Inhaber zentral im Büro, einem anderen Programm. Die Datenpflege im Webshop erfolgt ebenfalls im Büro, nicht alle Produkte aus dem Sortiment werden online angeboten.

Eigentlich sollte alles ganz einfach werden: „An der Kasse geben wir 2,5 % Rabatt, wir haben kaum Feinkost. Und auf Rechnungen nehmen wir den Nettopreis und berechnen halt die neuen Steuersätze. An den Webshop haben wir erstmal gar nicht gedacht, Michi war auch im Urlaub…“. Dann kam der 1. Juli – und alles doch ein wenig anders…

Ende Juni war es ungewöhnlich ruhig in der Weinhandlung – am 1.7. dafür richtig voll. „Wir waren extra zu dritt – trotzdem voll im Stress. Die Meisten haben aber gar nicht so viel gekauft, Viele waren überrascht oder enttäuscht, dass man jetzt gar nicht so viel spart.Die ersten Tage waren aber entspannt, verglichen mit dem, was folgte. „Die Preise in unseren Läden haben wir bewusst nicht geändert – das hätten wir in allen 3 Kassen machen müssen. Wir haben vom Hersteller ein Update bekommen, mit den neuen Steuersätzen. Wie gesagt – an den Onlineshop hatten wir erstmal nicht gedacht. Da blieb alles beim Alten – nicht nur die Preise, auch die Steuer. Das ist erst aufgefallen, als ein paar Tage später eine Bestellung reinkam...“

Die Ware war schon online bezahlt – der Kunde hat die Sache mit der Steuer gemerkt, als er vom Shop seine Bestellbestätigung bekommen hat. „Was soll ich sagen – der Typ war natürlich Anwalt und hat sich mächtig aufgespielt. Wir haben ihm den Betrag komplett erstattet und die Kiste Wein umsonst verschickt. Den Onlineshop haben wir kurz stillgelegt. Dann kam mein Mitarbeiter aus dem Urlaub zurück, er wusste, wie man die Steuersätze in den Shopeinstellungen ändern kann. Aber das machte dann auch Probleme – die Preise waren plötzlich alle krumm. Jetzt haben wir im Shop den alten Nettopreis mit neuem Steuersatz. Und im Laden den alten Bruttopreis mit Rabatt.

Daran haben sich mittlerweile alle gewöhnt. „Das geht schon irgendwie – alle Mitarbeiter wissen Bescheid, wenn Kunden trotz diverser Schilder fragen, warum Weine online billiger sind. Etwas nervig ist, dass ich bei Rechnungen immer ganz genau schauen muss, welche Preise draufstehen müssen. Noch brauchen Kunden im Laden selten eine Rechnung – aber im Weihnachtsgeschäft sieht das dann ganz anders aus. Vielleicht müssen wir doch alle Preise ändern…“

Einfache Lösung?

Nun könnte man meinen, dass zumindest die Betriebe, die bislang ohne oder mit wenig EDV arbeiten, von den Folgen der MwSt-Änderung weniger betroffen wären. Weit gefehlt, für sie gibt es zahlreiche Hürden, vor allem, wenn sie die Steuersenkung weitergeben. Mit einem Rabattknopf an der Kasse reduzieren sie Preise automatisch. Mit dem Taschenrechner macht das wenig Spaß. Auch dem wartenden Kunden…

Eindeutig vorteilhaft sind hingegen vernetzte Systeme und Gesamtlösungen: Wenn Sie Ihre Preise – für alle Kunden, Standorte und Kanäle – zentralisiert in einem System verwalten, proftieren Sie bei jeder erforderlichen Preisanpassung. Besonders dann, wenn Sie mit unterschiedlichen Kundengruppen, individuellen Preisen oder Preisstaffeln und mehrkanalig agieren.

Beruht die Vernetzung auf einer oder mehreren Schnittstellen, so kann ein Austausch zwischen den Systemen zum Erliegen kommen, wenn Systemparameter und -verhalten sich als Folge der MwSt-Änderung ändern. Wenn beispielsweise die Zuordnung der Steuersätze im Webshop und Warenwirtschaftssystem über Referenznummern erfolgt, müssen diese auch für neue Steuersätze in beiden Systeme entsprechend zugeordnet werden. Die Programme „verstehen“ sich sonst plötzlich nicht mehr. Damit das gar nicht erst passiert, bedarf es einer rechtzeitigen Abstimmung zwischen den verantwortlichen Ansprechpartnern.

Fazit zu den Folgen der MwSt-Änderung

Die Folgen der Steueränderung stehen uns allen im Januar erneut bevor. Noch ist Zeit, um Systeme besser vorzubereiten, wenn Sie hart zu kämpfen hatten.

Sobald das Weihnachtsgeschäft anläuft, muss es an der Kasse trotz erhöhter Kundenfrequenz schnell gehen. Auch dann, wenn Kunden „plötzlich“ eine Din-A4-Rechnung benötigen. Gutscheine haben im Dezember Hochkonjkunktur: Weinhändler, die Wertgutscheine – und Waren zum ermäßigten Steuersatz – anbieten, können diese leichter verrechnen, wenn erst bei der Einlösung gegen Wein oder Feinkost die Umsatzsteuer berechnet wird.

Manchmal genügen kleine Änderungen von Prozessen oder „historisch gewachsenen Routinen“, den Dingen, die man „einfach immer schon so gemacht“ hat. Falls Sie Ihre Systeme erneuern möchten oder müssen: Mit einer Gesamtlösung wie euro-Sales Vino stellen Sie sicher, dass einschneidende Aktualisierungen aller Art, auch solche, die sich als Folge einer Steueränderung ergeben, reibungslos verlaufen.

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Quellenangaben und weiterführende Links

Bildquelle: © aberheide – 123RF.com

https://www.gfk.com/

https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/adobe-umfrage-in-der-corona-pandemie-das-sind-die-online-shopping-trends-2020-184791

https://stadt-bremerhaven.de/mehrwertsteuersenkung-drueckt-die-preise-nur-teilweise/

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Hintergrund Zitat
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